Leistungsfähigkeit von Refraktor und Reflektor(Auflösung, Kontrast und Lichtsammelvermögen von Refraktor und Reflektor)Im folgenden sollen
Refraktor und
Reflektor hinsichtlich ihres Leistungsvermögens (Auflösung,
Kontrast,
Lichtsammelvermögen) näher betrachtet werden. Gelegentlich
kommt
die Frage, inwieweit sich Refraktor und Reflektor voneinander
unterscheiden.
Manchmal wurde gemeint, daß sie sich nicht miteinander
vergleichen
ließen. Erstaunlich ist, daß häufig unterschiedliche
Antworten
zu diesem Thema kommen. Daher versuche ich, eine Antwort auf diese
Frage
zu finden. # Astrowissen, Hans-Ulrich Keller [1] (Zitat S. 12ff.): "Zu den Zwischengliedern [...] eines Teleskopes zählen Fang- und Umlenkspiegel, Umkehr- und Nachvergrößerungslinsen, Filter etc. Sie sind notwendig, um den Strahlengang umzulenken beziehungsweise für den Empfänger aufzubereiten. Sie führen durch Absorption und Deformation der Wellenfront stets zu einem Informationsverlust, weshalb man die Zahl der Zwischenglieder möglichst klein zu halten versucht. Beim klassischen Refraktor fehlen Zwischenglieder völlig." Danach folgt eine meiner Meinung nach wichtige Aussage: "Die Leistung eines Teleskopes wird von seinem Objektivdurchmesser bestimmt. Die Auflösung (Trennschärfe) steigt linear mit dem Durchmesser, die lichtsammelnde Wirkung hingegen mit dem Quadrat des Durchmessers. Doppelter Durchmesser erbringt doppelt so hohe Auflösung und vierfachen Lichtgewinn." Etwas weiter unten: "Das Auflösungsvermögen (A) eines Objektives läßt sich aus der Dawes-Formel schnell ermitteln. Sie lautet: p=k*lambda/D Dabei ist p=1/A die Trennschärfe, der reziproke Wert der Auflösung. Die Trennschärfe ist abhängig von der Wellenlänge (lambda) des Lichtes und dem Objektivdurchmesser D. Wählt man sichtbares Licht (gelber Farbbereich lambda=550nm), so kann man als Konstante k*lambda=13 einsetzen. Dann ergibt sich die Dawes-Formel zu: p=13/D Dabei bedeutet p die
Winkeldistanz
zweier Punkte (Sterne) in Bogensekunden, die gerade noch getrennt zu
sehen
sind mit einem Fernrohr, das den Objektivdurchmesser D cm hat. Das
bloße,
normalsichtige Auge hat ein Auflösungsvermögen von etwa einer
Bogenminute (=60"), ein Fernrohr mit 10cm freier Öffnung hingegen
von 1.3". Die Konstante k ist etwas vom Fernrohrtyp abhängig. Bei
Refraktoren ist k=11.7, da sie im Prinzip eine bessere Auflösung
erreichen
als Reflektoren gleicher Öffnung. Die Dawes-Formel gibt die
Auflösung
bzw. Trennschärfe unter besten Bedingungen an. Die
Trennschärfe
ist abhängig von der Qualität der Optik, der
Stabilität
der Montierung, der Luftruhe und der Helligkeitsdifferenz der einzelnen
Komponenten eines Doppelsternes. Hans-Ulrich Keller
legt die
Betonung auch immer wieder auf den freien Objektivdurchmesser.
Also
möchte ich dem Einfluß von Fangspiegel und Fangspiegelspinne
(-halterung) auf das Auflösungsvermögen weiter nachgehen.
Abb. 1: Beugungsringe [5]
Dazu folgt ein Zitat aus Paul
Ahnerts "Kleine praktische Astronomie". Dieses Zitat stellt
teilweise
die Grundlagen für das Zitat aus Astrooptik etwas weiter unten
bereit. # Kleine praktische Astronomie, Paul Ahnert [2]: (Zitat Seite 19): "Die Definition -
Schärfe des
Bildes - hängt im wesentlichen nur von der Öffnung des
Objektives
ab. Wegen der Wellennatur erfährt das Licht an der Begrenzung
[Objektivfassung]
eine Beugung. Dadurch wird ein punktförmiger Fixstern in der
Brennebene
nicht als Punkt, sondern als Scheibchen, abgebildet. Dieses
Beugungsscheibchen
[siehe Abbildung 1] ist von mehreren Beugungsringen umgeben, von denen
nur der erste, der innere, noch eine merkliche Intensität besitzt.
Seine Maximalintensität beträgt für ein
Refraktorobjektiv
nur 1.7% der Mittenintensität des Beugungsscheibchens. Für
den
Beobachter ist der Durchmesser des Beugungsscheibchens in Bogensekunden
von Bedeutung. Er kennzeichnet die Minimaldistanz, bis zu der zwei an
Helligkeit
wenig verschiedene Doppelsternkomponenten noch getrennt werden
können."
"Auf Planetenoberflächen und auf dem Mond kann von Objekten, die kleiner als das Beugungsscheibchen sind, bei genügend starkem Helligkeitskontrast zwar noch ihr Vorhandensein, aber nicht mehr ihre wahre Gestalt wahrgenommen werden [Beispiel: Cassini-Teilung im Saturnring]. Scharfe Grenzlinien (Mondbergschatten) verlieren bei starker Vergrößerung etwas an Schärfe, weil von der hellen Umgebung Licht in die dunklen Partien abgebeugt wird. Der optisch wirksame Durchmesser des Beugungsscheibchens beträgt für ein fehlerfreies Refraktorobjektiv von 100mm Öffnung für die Wellenlänge 560nm (für visuelle Beobachtungen) sigma(null)=1.16", der Durchmesser des 1. Beugungsringes rho(null)=1.84". Beide Werte sind umgekehrt proportional der Öffnung. Für andere Öffnungen folgt daher sigma=sigma(null)*100/D; rho=rho(null)*100/D. Bei den konventionellen Spiegelteleskopen nach Newton und Cassegrain bildet der Hilfsspiegel [Fangspiegel] eine Zentralblende. Die Öffnung ist daher keine Kreisfläche, sondern ein Kreisring mit zwei Begrenzungen. Dadurch wird die Beugungsfigur in dem Sinne geändert, daß die Intensität des zentralen Scheibchens sinkt und die Helligkeit der Beugungsringe zunimmt. Das führt praktisch zu einer Vergrößerung der optisch wirksamen Beugungsfigur und damit zu einer Verminderung der Definition." Es folgt eine Verdeutlichung der Verminderung der effektiven Öffnung anhand der Zeiss-Reflektoren. Es kommt nur noch der Hinweis, daß bei einem Newtonspiegel mit 11cm Öffnung, ein Fangspiegel mit 3cm Durchmesser (kl. Achse) genügen würde. Damit würde die Blende eines 25mm-Okulares noch voll ausgeleuchtet. Nun berechnet Ahnert die Abschattung durch den Fangspiegel in Prozenten. Wohlgemerkt, dabei zieht er die Durchmesser heran, nicht die Fläche. Ähnlich
äußert sich Martin Birkmaier [4]:
Weiterhin schreibt er, daß ein Newton
mit 203 mm Öffnung und 33 mm Fangspiegel in der Kontrastleistung
einem
nichtobstruierten System (Refraktor, Schiefspiegler) mit 170mm
Öffnung
entspräche. In einem zweiten Beispiel setzt er einen 8" SC mit 43%
Obstruktion einem Refraktor mit 116mm Öffnung gleich, es wurde
ebenfalls
die Kontrastleistung betrachtet. (Nachzulesen unter http://www.intercon-spacetec.de/grundlagen/opt_qual.html#obstruktion.
Vielen Dank an Diethard Rennoch für die Seitenadresse.) Martin
Birkmaier hat auch ein lesenswertes "Schlußwort" auf seiner
Seite
verfaßt http://www.intercon-spacetec.de/grundlagen/opt_qual.html#wunsch.
# Astrooptik, Uwe Laux [3]: (Zitat Seite 82): "Bei allen rotationssymmetrischen Spiegelsystemen findet durch Gegen- bzw. Ablenkspiegel eine Zentralabschattung statt. Sie stellt einen Eingriff in die Wellenfront und auf das Beugungsbild dar. Das hat zur Folge, daß durch diese Zentralabschattung das Auflösungsvermögen (AV) verbessert wird (theoretisch), der Kontrast für mittlere Ortsfrequenzen geht aber zurück. Das Bild wird kontrastärmer als beim Refraktor und dies umso mehr, je größer die relative Zentralabschattung ist. Es findet eine Umverteilung der Intensitäten des Beugungsscheibchens statt." Auf das Problem des Auflösungsvermögens geht Uwe Laux noch genauer ein. (Zitat Seite 3): "Zentralabschattung: Auch
Obstruktion,
ist besonders bei Spiegelsystemen relevant. Alle rotationssymmetrischen
Spiegelsysteme [...] sind konstruktionsbedingt mit Zentralabschattung
behaftet.
Die Zentralabschattung erfolgt durch den Gegenspiegel GS und stellt
einen
Pupilleneingriff dar. Bei einigen Systemen ist der GS durch eine
Schmidt-Platte
oder Linse gehaltert [...], hier ergibt sich eine runde bis ovale
Pupillenfigur
und damit auch ein symmetrisches Beugungsbild. Bei den Spiegelsystemen
[...] kommt eine Streuung und Beugung am Haltekreuz hinzu. Da das
Haltekreuz
nicht in der Pupille liegt, gibt es oftmals asymmetrische Beugungs- und
Streulichteffekte (z. Bsp. beim Schmidtteleskop [...]). Diese wirken
sich
besonders bei astrometrischen Aufgabenstellungen sehr störend aus.
Da Spiegelsysteme oftmals nicht die Beugungsgrenze erreichen (optische
Güte und Seeing), verschmilzt das erste Maximum mit dem Bildkern.
Somit verschlechtert sich in der Praxis das
[Auflösungsvermögen]
AV eines Spiegels erheblich, da die theoretische Verkleinerung des
Punktbildes
in den Spiegelfehlern und Seeing untergeht. Oftmals wird das diffuse
Bild
eines Spiegelsystems nur der Zentralabschattung zugerechnet, obwohl
mitunter
die Abbildungsfehler einen nicht zu unterschätzenden Anteil dazu
beitragen.
Somit fällt die oftmals zitierte Verbesserung der Auflösung
durch
die Zentralabschattung nur wenig ins Auge, die Energieumverteilung ins
erste Beugungsmaximum ist umso deutlicher wahrnehmbar." (Zitat S. 107) "Die Vignette des
Bildfeldes und
die Größe der Zentralabschattung (Bildkontrastabfall)
müssen
mit dem Haupteinsatzgebiet des Teleskopes abgewogen werden. Der
Helligkeits-
und vor allem Kontrastabfall (bei übermäßiger Vignette)
verursacht oftmals mehr Einbußen. Eine Totalabschattung des
Falschlichtes
ist nur bei Tages- und Mondbeobachtungen nötig. [...] Besonders
bei
Planetenbeobachtungen sollte die Zentralabschattung auf ein Minimum
reduziert
werden." # Handbuch für Sternfreunde, Günter D. Roth, H. Nicklas [7]: Die Beugungsfigur erfährt durch eine zentrale Abschattung
(Sekundärspiegel,
Photokassette einer Schmidtkamera) eine Veränderung. (Zitat S.
58):
"Zwar verringert sich der Radius des ersten Minimums 1.22 * lambda / D
auf bestenfalls 0.73 * lambda / D, doch wird dafür umso mehr Licht
gebeugt und es kommt zu einer deutlichen Aufhellung der Beugungsringe
[...].
Diese Aufhellung führt zu einer Kontrastminderung, die sich
speziell
bei Planetenbeobachtungen bemerkbar macht, weshalb auf diesem Gebiet im
allgemeinen Refraktoren der Vorzug gegeben wird." # Zur Zusammenfassung möchte ich Frank Schäfer zu Wort kommen lassen:
[8] Erläuterung zur Abbildung aus Recknagel [6], Zitat S.206f.: "Dort sind zwei
Beugungsbilder gekennzeichnet,
die zwei dicht nebeneinander stehende leuchtende Punkte, z. B. zwei
Sterne,
in der Brennebene der Linse geben. Die Summe der beiden
Bestrahlungsstärken
hat nur dann zwei deutlich getrennte Maxima, wenn die Figuren
hinreichend
weit auseinander liegen. Andernfalls entsteht ein einziger, leuchtender
Fleck [...a)]. Zeichnet man zwei [...] Kurven mit verschiedenen
Abständen
der zentralen Maxima übereinander, dann sieht man: Wenn das
zentrale
Maximum der einen Beugungsfigur gerade in das erste Minimum der zweiten
fällt, dann entsteht eine Lichtverteilung mit zwei deutlichen
Gipfeln
[...b)]." In diesem Zusammenhang möchte ich auf die weiterführenden Seiten verweisen: <>- Ein "Volks-Maksutov" im Mini-Test - Die "Russentonne" MTO 100/1000 von Frank Schäfer;- Refraktor oder Spiegelteleskop? von Reinhart Claus; - Auflösungsvermögen (H. C. Greier auf Amateurastronomie.at (Harald Rottensteiner)); - Obstruktion (Thierry Legault, Seite komplett auf englisch (+ französisch)). Homepageadresse: HIGH RESOLUTION CCD IMAGING; - Auflösungsvermögen H. C. Greier-Greiner; - Artikel von astroschmidt auf Astronomie.de: "Neue Argumente zugunsten des Fraunhofer-Achromaten"; - Vergleich Refraktor 102/1200 - Maksutov 150/1500 von Frank und Peter Ziegenhein. >
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Stand: 12. Juni
2010.
Erstellt: 03. Januar
2002.
© 2002 Udo
Schirpke.