Amateurbeobachtungsgeräte unserer Leser in Wort und BildEin Okular, zwei Okulare, drei Okulare...von Frank Schäferwieviele Okulare braucht der Mensch? Der normale Bundesbürger in aller Regel keine, der ambitionierte Sternfreund etwa ein Dutzend und der Freak braucht deren 20 oder mehr. Es ist eigentlich eine Binsenweisheit, aber man kann es nicht oft genug wiederholen: Die Qualität der Okulare entscheidet immer wieder über die Brauchbarkeit eines Fernrohrs an sich! Es nützt das beste Fernrohr nichts, wenn hinten Okulare vom Typ HM-20 drin stecken. Wer ein Fernrohr kauft, sollte auch immer ein paar gute Okulare mit einplanen. Für den Anfang genügen 3 bis 4 Brennweiten vollauf, später können es dann ruhig ein paar mehr werden. Wichtige Kriterien für die Okularwahl - neben der Brennweite selbst - sind das scheinbare Gesichtsfeld, der Steckdurchmesser, der Augenabstand sowie Eigenschaften wie Kontrast, Transparenz und Randschärfe. In Sachen Kontrast und Transparenz spielen natürlich die Art der verwendeten Gläser und die Anzahl der Linsen eine wesentliche Rolle. Wer die einschlägigen Preislisten kennt, der weiß, Okulare gibt es im Bereich von 80 bis 1000 DM. Ich will an dieser Stelle keine Abhandlung über Okulare schreiben. Das Thema ist einfach zu vielschichtig, auch wäre eine Abhandlung meinerseits (aufgrund persönlicher Vorlieben) keinesfalls objektiv. Wer gute Informationen zum Thema sucht, der findet sie beispielsweise unter "http://members.aol.com/gdittie/optikkrs.htm". [Anm.: Seitenadressen nicht mehr aktuell] Takahashi ist für mich ein Zauberwort ... Vor kurzem habe ich mir einen Apochromaten dieser Firma zugelegt. Das Objektiv (78/630) ist ein Zweilinser mit Luftspalt und besteht aus einer Fluoritlinse (vorn) und einem ED-Glas (hinten). Das Gerät ist praktisch vollkommen frei von Farbfehlern und liefert gestochen scharfe Bilder mit unglaublichem Kontrast bei Vergrößerungen bis 250x und mehr. Was lag also näher, als noch einen Satz Takahashi-Okulare zu kaufen? Die Okulare sind 5- bzw. 7-Linser mit Brennweiten von 30, 24, 18, 12.5, 7.5 und 5 mm (Bild 1, Rücktitel).
Bild 1: Takahashi LE-Okulare Das scheinbare Gesichtsfeld aller Okulare liegt bei 52 Grad und der Augenabstand schwankt zwischen 20 mm und 9 mm. Ein solches Okular kostet etwa zwischen 330 und 370 DM. Zugegeben, das ist recht viel - aber verglichen mit Televue Panoptik oder Pentax XL Okularen relativiert sich der Preis schon wieder. Die Abbildungsqualität ist gleich oder besser als die der letzten Zeiss Abbe Okulare - und das bei deutlich größerem Gesichtsfeld. Für meinen Geschmack bekommt man mit den Takahashis außergewöhnliche Okulare zu einem vernünftigen Preis. In Punkto Kontrast und Transparenz sowie wegen des angenehmen Einblickverhaltens würde ich sie auf jeden Fall den LV-Okularen von Vixen oder diversen Meade Produkten vorziehen. Interessant ist auch ein Vergleich mit den alten Zeiss Okularen. Schon beim Durchblicken gegen eine helle Lichtquelle zeigt sich der Unterschied. Trotz der größeren Zahl von Glas-Luft-Flächen zeigen die Takahashis eine ungleich höhere Transparenz. Am Sternhimmel und insbesondere an den Planeten zeigt sich dies in einem sehr hellen Bild (Saturn bei 252x ist phantastisch!). Der Kontrast und die Randschärfe sind sehr gut und auch der Augenabstand ist deutlich besser als bei den alten oder neuen Zeiss Okularen. Wer also ein sehr gutes Okular mit angenehmen Einblickverhalten und mittlerem Gesichtsfeld für Beobachtungen aller Art sucht, der ist mit einem Takahashi LE Okular bestens beraten. Manchmal, insbesondere bei der Deep-Sky Beobachtung, sind auch 52 Grad Gesichtsfeld noch zu wenig. Wer den typischen "All-Sky-Blick" sucht, braucht natürlich Großfeldokulare. Einen echten Geheimtip möchte ich hier kurz vorstellen. Für ihre Spektive fertigt die Firma Leica zwei Okulare mit einem scheinbaren Gesichtsfeld von etwas mehr als 65 Grad und Brennweiten von 22 und 14 mm. Das 22 mm Okular habe ich mir gekauft, bei der Firma Ludes kann man auch gleich einen passenden Adapter auf 1.25 oder 2 Zoll Steckanschluß mit bestellen (Bild 2, Rücktitel).
Bild 2: Leica Okulare und Adapter für 1.25" Der Preis des Okulars mit Adapter liegt bei 460 DM. Das 22 mm Okular ist ein 6-linsiges Design mit innenliegender Gesichtsfeldblende (längerer Backfokus nötig!). Mit diesem Okular wird die Deep-Sky Beobachtung zu einem phantastischen Erlebnis! Das Gesichtsfeld ist dabei schon so groß, daß man es nicht mehr komplett erfassen kann. Noch größere Gesichtsfelder, wie bei den Meade UWA oder Nagler Okularen, halte ich persönlich für unsinnig, zumal die damit einhergehende Verzeichnung beachtlich ist. Was bei dem Leica Okular sofort auffällt, ist der extrem gute Korrekturzustand. Senkrechte Häuserwände und Laternenmaste bleiben auch bis zum Rand des Gesichtsfeldes senkrecht und gleichen nicht, wie bei anderen Weitwinkelokularen, einer sich stetig krümmenden Banane. Für ein derart gut korrigiertes Okular ist der Preis (incl. Adapter) mehr als gerechtfertigt. Ähnliche Okulare, wie z.B. die Meade SWA, Vixen LVW oder Panoptic Okulare, erreichen entweder nicht diese optische Qualität oder sind bei vergleichbarer Qualität wesentlich teurer. Wer einen guten Dreher an der Hand hat, kann sich das Geld für den Adapter sparen und bekommt so das Leica Okular für gerade mal 380 DM. Zum Schluß noch einen anderen Tip. Über die Qualität von Zoom-Okularen kann man sicher streiten, manchmal ist ihr Einsatz (z.B. bei Beobachtungen an Volkssternwarten) aber sehr angenehm. Zur Zeit gibt es bei der Firma Vehrenberg (http://www.vehrenberg.de) ein Celestron Zoom-Okular im Sonderangebot (Bild 3, Rücktitel).
Bild 3: Celestron Zoom Okular Die Brennweite ist von 18 bis 6.5 mm stufenlos verstellbar, das scheinbare Gesichtsfeld variiert zwischen 38.5 und 60.5 Grad. Damit eignet sich das Okular besonders für höhere Vergrößerungen (z.B. Planeten). Das Okular ist optisch einwandfrei und die Qualität ist recht gut. Einziger Makel (deshalb Sonderangebot): Die Pfeifen bei Celestron haben den Verstellmechanismus falsch zusammengebaut. Damit zeigt die Skala bei 18 mm Brennweite die Zahl 6.5 und bei 6.5 mm Brennweite die Zahl 18. Angesichts der guten optischen Qualität und eines Preises von nur 98 DM kann man aber durchaus damit leben. Wen dieser Fehler stört, der überklebt halt die alte Skala mit einer neuen ... Weitere Informationen zu Produkten von Takahashi und Leica findet man im Web unter: http://www.leica-camera.de
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Text und Fotos aus "Der Sternfreund" 02/1999.
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