Der apochromatische Refraktor FS 78/630 von Takahashivon Frank Schäfer, Sternwarte RadebergIn Heft 3/99 des "Sternfreund" wurde bereits ein kleiner Apochromat, das Leica APO-Televid von Peter Schubert vorgestellt. An dieser Stelle möchte ich kurz meinen Takahashi Refraktor vorstellen, ebenfalls ein zweilinsiger Apochromat, wenn auch von etwas anderer Konstruktion. Am Anfang ist es vielleicht angebracht, etwas Ordnung in die Welt der Apochromate, Halbapochromate und ED-Apochromate zu bringen. Die Vorstellungen darüber und die Angaben in diversen Prospekten sind doch recht vielfältig. Ein Apochromat ist per Definition ein Objektiv, welches wenigstens 3 Farben in einem gemeinsamen Brennpunkt vereinigt. Das heißt mit anderen Worten, das sekundäre Spektrum ist gegenüber einem Achromaten (welcher ja nur zwei Farben in einem Brennpunkt vereinigt) stark reduziert. Zwischen den Achromaten und Apochromaten finden sich auch noch die Halbapochromate vom AS-Typ. Jeder, der schon mal durch einen Zeiss 100/1000 oder 80/1200 geschaut hat, weiß wovon ich rede. Diese AS-Objektive sind Zweilinser mit Luftspalt, welche ein Sonderflintglas und zusätzlich eine asphärische Fläche für einen maximalen Korrektionszustand nutzen. Für Planetenbeobachter ist ein AS-Objektiv mit einem Öffnungsverhältnis von 1:15 vollkommen ausreichend (AS 80/1200 oder AS 150/ 2250). Die bei gleicher Öffnung wesentlich teu[r]eren Apochromaten bringen für Mond und Planeten keinen Gewinn, welcher auch nur annähernd den hohen Preis rechtfertigen würde. Anders sieht das freilich aus, wenn man ein derartiges Gerät auch für Deep-Sky Beobachtungen nutzen will - aber dazu später. In der Welt der Apochromate gibt es mittlerweile eine Vielzahl von Konstruktionen, ich möchte hier nur drei erwähnen. Praktisch alle Apochromate nutzen eine Glassorte mit anormalem Dispersionsverlauf (Calziumfluorit oder ED-Gläser) in Kombination mit anderen Gläsern, um das sekundäre Spektrum so weit wie möglich zu reduzieren. Zum einen gibt es hier die legendären APQ-Objektive von Carl Zeiss Jena. Hier wird die Calziumfluoritkomponente zwischen zwei normalen Gläsern angeordnet. Das Objektiv wird zudem als Immersionsobjektiv ausgeführt. Das heißt, zwischen den Komponenten befindet sich ein dünner Ölfilm. Der hohe Konstruktionsaufwand für einen derartigen Top-Apochromaten schlägt sich natürlich im Preis nieder. Die am weitesten verbreitete Konstruktion sind die sogenannten ED-Apochromate. Hier wird ein ED-Glas, welches einfacher und billiger herzustellen ist, mit einem normalen Glas kombiniert. Dabei ist das ED-Glas als zweites Element und somit gut geschützt im Tubus angeordnet. Typische Vertreter sind die ED-APOs von Meade oder Vixen. Die Qualität ist sehr gut, reicht aber eben nicht an einen APQ heran. Besonders zeigt sich dies bei hohen Vergrößerungen in der Planetenbeobachtung. Während der APQ ein farbfehlerfreies Bild liefert, läßt sich das sekundäre Restspektrum bei den ED-APOs nicht verleugnen. Eine dritte Konstruktion ist erst seit kurzer Zeit verfügbar, die FS-Objektive der japanischen Firma Takahashi. Hier wird ein Calziumfluoritelement mit einem ED-Glas zu einem wundervollen APO kombiniert. Zudem wurde bei Takahashi ein Verfahren zur Hartvergütung der Calziumfluoritkomponente entwickelt, so daß diese als Frontelement genutzt werden kann. Ein solches Instrument ist der FS 78/ 630, der kleinste Vertreter der FS Serie von Takahashi. Über erste Erfahrungen mit meinem Tak möchte ich an dieser Stelle berichten. Angefangen hat die ganze Sache mit der Suche nach einem optimalen Reisefernrohr, welches sowohl für die Mond- und Planetenbeobachtung als auch für die Deep-Sky Beobachtung geeignet sein sollte. Das heißt, das Öffnungsverhältnis muß so bemessen sein, daß geringe Vergrößerungen (mit großer Austrittspupille und ausreichend großem Gesichtsfeld) und auch hohe Vergrößerungen mit bester Bildqualität realisierbar sein sollten. Damit schieden die ED-Apochromaten aus. Blieb also nur die Suche nach einem echten Fluoritapochromaten, welcher auch noch bezahlbar sein sollte. Die letzte Forderung ließ auch die Zeiss APQs von meiner Wunschliste verschwinden. Der FS 78/630 mit einem Öffnungsverhältnis von 1:8 kam meinen Anforderungen letztendlich am nächsten. Mit einem offiziellen Verkaufspreis von 2,5 kM ist der Tubus mit Optik auch nicht gerade billig, liefert aber in optischer und mechanischer Qualität einen optimalen Gegenwert zur Investition. Ich hatte dann noch die Gelegenheit, den Tubus mit Optik bei Herrn Ludes für 2,1 kM zu ergattern - und da gab es kein Halten mehr. Im Laufe der Zeit habe ich die Ausrüstung um einen fast kompletten Satz Takahashi Okulare erweitert (siehe auch "Sternfreund" Heft 2/99) und muß sagen, ich habe den Kauf nicht bereut. Die optische Qualität ist excellent! Mit einem 32mm Erfle Okular oder einem 40mm Ortho (beide von Takahashi) lassen sich fantastische Deep-Sky Beobachtungen machen. Das 32mm Erfle hat auch ein angenehmes Eigengesichtsfeld von 58 Grad und bei beiden Okularen können noch diverse Nebelfilter mit Gewinn eingesetzt werden. Bei der Deep-Sky Beobachtung zeigen sich die Vorteile eines Apochromaten in Form der berühmten "pin point stars" und eines optimalen Kontrastes von Deep-Sky Objekten zum Himmelshintergrund auch bei geringsten Vergrößerungen. Das Öffnungsverhältnis gibt aber auch für die Planetenbeobachtung ausreichend hohe Vergrößerungen her. Bei so guten Apochromaten kann die Vergrößerung locker bis zum 2,5-fachen des Objektivdurchmessers (in mm) gesteigert werden. Für die Mond- und Planetenbeobachtung habe ich mir kürzlich noch das 3,5mm LVW Okular von Vixen mit 65 Grad scheinbaren Gesichtsfeld und ein 8mm Plössl von Televue gegönnt. Letzteres nutze ich mit der 2x Barlowlinse von Zeiss als "ultimativen Planetenkiller". Schärfe und Kontrast sind bei dieser Kombination unglaublich, eine solche Menge von Einzelheiten auf Mars hatte ich bis dato nicht gesehen. Das 3,5mm LVW von Vixen gibt unvergleichliche Bilder des Mondes. Eine 180-fache Vergrößerung gepaart mit dem riesigen Gesichtsfeld des Okulars und der extremen Schärfe eines Apochromaten ist schon beeindruckend, man muß es gesehen haben. Dabei lassen sich auch bei derart hohen Vergrößerungen keine Farbfehler ausmachen. Voraussetzung dafür sind natürlich auch qualitativ hochwertige Okulare, mit einem "Meade Super Plössl" sieht das schon deutlich schlechter aus. Montiert habe ich das Tak auf einer
KONUS Montierung. Die kleine Montierung liegt in der Stabilität irgendwo
zwischen T-Montierung und Ib-Montierung. Sie ist aber für den Tak
vollkommen ausreichend und das ganze läßt sich noch bequem transportieren.
Auf der Rückseite des Heftes ist das Gerät abgebildet. Für
ein bequemes Beobachten nutze ich noch immer meinen guten alten Zeiss Okularrevolver
mit Amici-Prisma. Das Prisma liefert richtig orientierte Bilder, was das
Auffinden von Deep-Sky Objekten wesentlich vereinfacht. Das Prisma ist
auch ausreichend dimensioniert, um das 32mm Erfle Okular voll auszuleuchten.
Den Tubus des Tak habe ich mir von Herrn Ludes etwas kürzen lassen,
so daß auch mit einem binokularen Ansatz beobachtet werden kann.
Unterm Strich kann gesagt werden, das Takahashi FS 78 ist ein optimales
Reisefernrohr für alle Bereiche der Amateurastronomie. So ein Apochromat
ist praktisch der Eintritt in eine vollkommen neue Welt und das Beobachten
mit einem solchen Gerät ist einfach ein Genuß.
Die Bilder auf dem Rücktitel des Heftes zeigen das Takahashi FS 78/630 auf der KONUS Montierung sowie ein Schema des optischen Aufbaus der FS Objektive im Vergleich mit normalen Fluoritapochromaten und einen Vergleich des sekundären Spektrums für BK7, ED-APOs und die FS-Objektive.
Einige Deep-Sky-Objekte hat Stephan Messner mit einem Takahashi gleicher Objektivöffnung aufgenommen. |
||||